Untreue Männer
Geht er fremd?

Unzufriedenheit als häufigste Ursache
„Es war doch nur Sex!“ – unter diesem Titel (erschienen im Südwest Verlag) schreibt die Münchener Paar- und Sex-Therapeutin Andrea Bräu über den Seitensprung als „altes neues Verlangen“. Bräu geht vor allem auch dem Warum nach und kommt zu dem Schluss: „Unzufriedenheit ist einer der Hauptgründe für Männer, ihre Partnerin zu betrügen.“ Das bestätigt auch das Ergebnis einer Studie von Theratalk, einem Projekt der Georg-August-Universität in Göttingen.
Demnach waren 76 Prozent der untreuen Männer vor ihrem Seitensprung seit mehr als einem Jahr unglücklich mit dem Sexleben in ihrer Beziehung, die meisten davon sogar länger als zwei Jahre. Die Defizite sind vielfältig, besonders häufig genannt wird das Gefühl, die Frau ließe sich gehen, und – etwas überraschend – fehlende Gespräche. Also geht es nicht bei jeder Affäre ausschließlich um Sex.
„Es war doch nur Sex!“ von Andrea Bräu (Südwest Verlag, um 15 Euro) hier bestellen bei Amazon.de >>
Seitensprung ist nicht gleich Seitensprung. Der amerikanische Psychiater und Familientherapeut Frank Pittman unterscheidet vier verschiedene Arten der Untreue: Die „zufällige Untreue“ ist der klassische Ausrutscher, der One-Night-Stand. Bei der „notorischen Untreue“ liegt oft eine Persönlichkeitsstörung vor: Männer mit dem „Hobby“ Sex haben fast immer Probleme, echte Gefühle zu zeigen.
Vorsicht vor offenen Beziehungen
Beim „romantischen Unfall“ dagegen sind Gefühlsdramen eigentlich nur eine Frage der Zeit, denn hier ist die Liebe mit im Spiel. „Partnerschaftliche Arrangements“, zum Beispiel Fremdgehen mit Freifahrschein, könnten eine Partnerschaft retten, die sonst am oft starken Sextrieb des Mannes scheitern würde. Eine „offene Beziehung auf Augenhöhe“, so Pittman, funktioniere aber nur, wenn Mann und Frau viel Mut aufbringen sowie strenge Regeln für sich aufstellen – schließlich muss die Beziehung jenseits von Sex als Lebensmittelpunkt neu definiert und bewahrt werden.
Paar-Psychologin Herriger hält das für eine Notlösung, sie warnt grundsätzlich vor zu viel Offenheit: „Es ist falsch, einen zurückliegenden und beendeten Seitensprung zu beichten. Denn der Vertrauensmissbrauch verjährt nicht, die Gefühle des Partners werden massiv verletzt.“
Thinkstock, Privat, PR












