Kolumne: pssst ...
Er will doch nur spielen!
Mein Freund Timo hat eine neue Geliebte – sein iPhone! Als die beiden sich im Telekom-Laden begegneten, war es Liebe auf den ersten Touch. Seitdem verbringen wir unsere Abende zu dritt, was für mich ungefähr so spannend ist wie für Taylor Lautner ein „Twilight“-PR-Termin neben Robert Pattinson und Kristen Stewart.
Während ich mir dann alleine einen Film anschaue, sitzt Timo abwesend neben mir auf der Couch und spielt auf seinem Smartphone „Guitar Hero“ oder „Schach“ – gegen sich selbst. Am liebsten klickt er aber durch den App-Store, immer auf der Suche nach den neuesten Updates.
Dort hat er auch das „Rauchfrei“-App entdeckt, mit dem er mir stolz vorrechnete, dass er schon 248 Euro gespart hat, seit er vor drei Monaten mit dem Rauchen aufgehört hat. Dank der neuesten Web-„Einkäufe“ beschwert er sich jetzt auch nicht mehr über seinen langen Arbeitsweg, sondern nutzt die 45-minütige Tramfahrt, um sein Handicap beim Pocket-„Golf“ zu verbessern. Denn das wird bei jedem Treffen mit seinen Kumpels als Erstes verglichen.
Ein gemeinsames Abendessen mit Freunden ist kaum noch möglich, weil unsere Männer eh nur stundenlang in der Küche stehen und über ihr iPhone debattieren. Statt mit PS-Zahlen und Muskelmasse misst Mann sich jetzt an neuen Apps. Dabei wird Timo jedes Mal ganz unruhig, wenn jemand außer ihm sein geliebtes Handy auch nur berührt – wie eine Mutter, der man gerade ihr Neugeborenes entrissen hat.
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